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Die erste Velo - Pauschalreise rund um Kuba

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Alle Fotos von P. Wolter, Hannover
Auf dem Velosattel spürt man am besten, wo die Kubaner der Schuh drückt

Bericht von Peter Marthaler von der von Cuba Reisen veranstalteten Fahrradtour

Anflug auf Havanna: was ist denn hier los? Die Strassen sind leer, haben die einen autofreien Sonntag mitten in der Woche?
Ist eine Oldtimer - Rally im Gang? Ein paar Bedford - Lastwagen aus den Fünfzigern, Studebakers, Chevys, Impalas und so weiter. Doch, doch, wir sitzen im richtigen Film: Kuba, das weltgrösste Transportmuseum lädt zur genüsslichen Reise durch traumhafte Landschaften mit charmanten Menschen und durch die Automobilproduktion der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts!
Statt Marlboro meldet sich auf der Plakatwand Fidel Castro persönlich zu Wort: Que la eficiencia sea la regla y no la excepcion. El Commandante ruft sein Volk zur Effizienz auf, diese soll die Regel sein und nicht die Ausnahme. Da hätten wir doch dem lider maximo täglich etwas zu berichten über sein Volk, aber wir sind ja Gäste... Seit einer geschlagenen Woche versucht Reiseleiter Harry Siebold die zwanzig Schweizer Fahrräder beim kubanischen Zoll loszueisen.
Manana ist da leider immer nur die Losung, eficiencia beweisen die Türhüter erst beim Dollar - Abzocken. Nur gegen 500 zusätzliche Dollars wollen sie die Velos herausrücken, Begründung: keine.

Eine Gruppe hungriger Velotouristen ohne Velo, das ist kein Zustand, das sehen auch die Kubaner im ersten Hotel ein: die Angestellten bringen uns ihre eigenen Vehikel, sammeln im nahen Dorf Vinales die fehlenden Räder ein, und ab gehts auf die erste Tour und zwar so, wie auch alle Einheimischen unterwegs sind: auf dem chinesischen Eingänger Marke flying pigeon oder forever bike. Ein Erlebnis, das keiner der Mitfahrenden mehr missen möchte!
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Die Einführung ins Thema Velofahren in Kuba hätte nicht anschaulicher gestaltet werden können: bei Kilometer 15 schlägt die Defekthexe zum ersten Mal im grösseren Stil zu: Plattfuss! Der Schlauch, der mehrheitlich aus Flicken besteht, weist nur gerade drei Löcher auf ... Kein Grund zur Aufregung, die Panne gehört in Kuba bei allen Transportmitteln dazu. Und man bleibt auch nicht lange alleine, hilfsbereite Leute mit Improviationsgabe und viel Zeit scharen sich im Nu um den Schadenplatz. Schade wäre eigentlich nur, wenn man keine Pannen hätte, die Begegnungen mit den Einheimischen sind immer ein Erlebnis. Die erwähnten drei Löcher um die sich vier Kubaner kümmern, zwingen uns zum Halt gleich neben einer winzig kleinen Primarschule von Pinar el Rio. Acht putzmuntere Kinder im blütenweissen Hemd und roter Hose oder Rock bieten den unerwarteten Gästen einen freundlichen Empfang und intonieren die Nationalhymne, so wie sie dies jeden Tag pünktlich um 0800 Uhr auch tun. Kuba hat weit und breit die kleinste Rate von Analphabeten: zwei Prozent. Dann gibt es Pause. Die Lehrerin will den persönlichen Schwatz mit den Touristen nicht verpassen. Nach zehn Minuten kennen wir ihre Lebensgeschichte, die Zahl der Ehemänner, Kinder, warum, wie und was. Sie tragen ihr Herz auf der Zunge, die Kubaner. Und die Strasse dient nicht nur dem Verkehr, sondern vor allem auch der Kommunikation. Alle stehen an der Strasse, nicht nur weil sie irgendwo hin wollen, sondern auch um zu sehen wer da kommt. Und Radfahrer haben sie am liebsten, die halten oft, sprechen meist ein paar Brocken spanisch und haben sicher etwas dabei, was für sie abfällt: ein Papiernastuch, ein Getreidestengel, Kaugummi, Mütze, T - shirt oder zumindest eine interessante Geschichte.

Nach dem Einrollen in die faszinierende Kultur Kubas im landschaftlich reizvollen Westen der Insel fliegt uns eine russische Antonow 30 gemächlich brummend in den Südosten nach Holguin. Der kleine Luftsprung ermöglicht es, die ganze Insel mit ihren tausend Kilometern Länge zu erfahren.

Wir rollen über meist verkehrsarme Strassen, ein Film läuft ab auf einer 360 Grad - Leinwand, schaue, höre, rieche, fühle - eine sinn-reiche Fahrt ! Die Sattelhöhe ist ideal, wir sehen über die Hecken in die Häuser, in die Höfe, auf die Vorplätze, in die Hallen, in die Gesichter, in die Augen: lachen sie uns aus oder an? Beides, was fährt Ihr da mit dem Velo durch Kuba, wo Ihr doch zu Hause alle einen Mercedes stehen habt? Was quält Ihr Euch da über unsere Strassen? Julio, 15 jährig, sie rufen ihn el flaco, den Dünnen, wie er gleich selber mitteilt, er trägt dick auf: aus der Schweiz seid Ihr? Ja, Deutschweiz, Romandie oder Tessin? Wir sind baff, diese Frage kommt immer wieder, das ist nicht Amerika, wo wir auch nach einer Woche noch als Schweden verabschiedet werden. El flaco fachsimpelt gerne über Velos, mit seinem Chinesen-Rad fährt er mit uns um die Wette. Damit der Staat einem Kubaner verbilligt, das heisst für ungefähr acht Dollar ein Velo abgibt, dazu muss er einen Arbeitsweg von mindestens 25 Kilometern nachweisen können. Auf dem freien Markt gilt der chinesische Eingänger gute 30 Dollar und mehr, das sind im Schnitt zwei volle Monatslöhne und damit Preise auf die man sich bei Kuba Reisen erst einstellen muss.

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Mittagessen. Die Crew aus dem Begleitbus mit dem munteren Chauffeur - Duo und der staatlichen Aufpasserin an Bord serviert den Lunch im Plastikkessel: Reis mit Huhn. Gestern war es pollo con arroz, morgen wird es Hähnchen geben, dazu Früchte. Naserümpfen ist nicht angebracht in einem Land, wo seit bald neun Jahren, seit dem Ausfall der sowjetischen Unterstützung, der versorgunsgmässige Notstand, die periodo especial herrscht. Fidel Castro weiss den Tropfenzähler meisterhaft zu bedienen, so, dass die Nomenklatura üppig dran ist und das Fussvolk zwar schmal durch muss, aber immerhin so leben kann, dass es die immer noch harte kommunistische Linie nicht öffentlich in Frage stellt. Da sollte man den Fischer sehen, das alte knorrige Männchen, das mit tropfnassen Kleidern grad vom Muschelsuchen bei unserem Rastplatz vorbeikommt. Einen vollen Teller mit Reis, Huhn und Gemüse hat er wohl seit sehr langer Zeit nicht mehr geniessen können.

Ausfallstrasse der Stadt Holguin, Montagmorgenverkehr. Die schweren Dieselbrummer pusten uns ihre ungefilterten Russschwaden ins Gesicht. Leichte Steigung, das Villiger Leventina läuft in der mittleren Scheibe, Gang vier, es tritt sich rund. Da dringt stampfender Salsa an mein Ohr, wird deutlicher, kein Motorengeräusch. Da zieht er an mir vorbei, der sportliche Bäcker von Holguin. An der Lenkstange baumelt ein Transistorradio und plärrt den Sound, der ihn antreibt. Mit seinem Bici, dem dreirädrigen Lastenvelo bringt er eine Riesenfuhre Brot in die Vororte. Vier Harassen. Lächelnder Seitenblick zu mir, dem exotischen Tourenfahrer, der zwar sichtbar lustvoll aber lastlos daherkommt. Das zweite Bici, das mich in derselben Steigung überholt ist als Taxi unterwegs. Eine Schönheit lässt sich per Velo in die Provinz bringen. Nichts macht dem Fahrer mehr Spass, als die Schweizer Kolonne von hinten aufzurollen und dabei seine Kraft und seine charmante Fracht zu präsentieren, immer noch bergauf, versteht sich! Noch einen Vorteil haben wir gegenüber dem einheimischen Velofahrer: am Schluss des Feldes kommt der Besenwagen, klimatisiert und mit genügend Wasserreserven an Bord. Nach 50 bis 90 Kilometern sind jeweils alle im Bus, um vorwärts zu kommen und die wenigen unattraktiven Landstriche schneller hinter sich zu bringen. Die Gegend um Moa zum Beispiel, hässlichste Industrie - Landschaft, Abbaugebiet von Nickel und Kobalt. Entstellte Natur, stinkende Schlote, wir müssen nur durchfahren, Tausende wohnen und arbeiten hier. Greenpeace war wohl noch nie da... Castro sucht Kapital, sucht joint ventures, Partner aus der freien Marktwirtschaft. Warum ist da in Moa kein westlicher Partner dabei? Etliche Schweizer Firmen hätten sich aus Kuba wieder zurückgezogen, weiss Pierre Friederich, Schweizer Botschafter in Havanna zu berichten. Das marktwirtschaftliche Denken ist noch zu wenig ausgeprägt in diesem Land. Der Staat werfe dem Investor aus dem Westen noch zu viele Knüppel zwischen die Beine. Beispiel: Arbeitskräfte müssen über den Staat angestellt und in Dollar sehr hoch bezahlt werden, der Arbeitnehmer erhält aber sein karges Löhnchen in kubanischen Pesos ausbezahlt, einer Währung, deren Wert im eigenen Land zusehends schmilzt.

Nach dem Regen scheint die Sonne, in der subtropischen Regenzeit ein täglich bestätigter Spruch, er gilt auch für die Landschaft. Nach Moa kommt Baracoa, die vergessene Stadt im äussersten Südosten Kubas. Liebliche Berge, meist bewaldet und mit üppigster Vegetation ausgestattet, laufen zur Küste hin in flacher werdendes Gelände aus. Die Bevölkerung ist vornehmlich schwarz, fröhlich, kontaktfreudig und arm. Tsst, amigo tuschelt es wie überall in Kuba unablässig. Frances, Aleman, Suizo, Italiano


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Am zauberhaften Karibik - Strand von Magangua bestürmt uns der übliche Tross von jiinteros den fliegenden Reitern, die nichts haben, ausser viel Zeit.
Tabacco, ron, chicas?; lautet das immerzu gleiche Angebot. Billigzigarren als Ausschussware der Fabriken werden als Topware angeboten, dazu das Nationalgetränk Rum in allen Varianten, und leider auch das praktisch überall, die eigene Schwester, Cousine oder Freundin. Die chicas müssen mit ihren Diensten an den offensichtlich vorhandenen Kunden oft ganze Familien durchbringen. Arbeit für alle ist, seit der russische Dauertropf nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion abgestellt wurde, zur Leerformel geworden. Als Kofferträger amtieren nicht selten Universitätsprofessoren oder Rechtsanwälte, mit dem Dollar - Trinkgeld verdienen sie mehr, als mit dem kargen Staatslohn in Peso Cubano.

Die Königsetappe wirft schon seit Tagen ihre Schatten voraus und sorgt für Unruhe im Feld: der Farolapass, wer den mit dem Velo bezwungen hat, der gilt was in Kuba. Die Anfahrt zur Steigung von zwölf Kilometern am frühen Morgen durch die noch regennassen Strassen Baracoas: Die Sonne spiegelt in den Pfützen die Hunderten von Velos, die hupenden Oldtimer, die ratternden Ladas. Die schmale Hauptstrasse wird gesäumt von überreichem tropischen Grün, Palmen, schweres Blattwerk, prächtige Blüten, der Himmel klart auf, vergessen sind Sturm und Stromausfall, Rum und Rauch vom Dancing am Ende der Welt. So muss es Zülle vor dem Galibier am Giro zumute sein, denke ich. Ruppig steigt die erste Rampe hoch. Doch wir sind ja nicht auf Zeit unterwegs, wir haben Zeit, wir können bereits wieder die Bidons mit Wasser füllen. Wir tun es da, wo die schöne Elena und ihr Hund Yunque grad mit ihrer Wochenwäsche beschäftigt sind. Schonwaschgang, 30 Grad, so warm wie die Luft eben. Die Kernseife kämpft gegen die Flecken auf den Jeans. Dieser Spot prägt sich ein. Vor allem auch das Lachen von Elena. Jeder dritte Kübel des quellfrischen Wassers leert sie sich über den Kopf, es ist heiss heute La Farola? Puhh, dann schon lieber waschen, meint sie.

13 Kilometer Aufstieg, 22 Kilometer Abfahrt, Anzahl Begegnungen mit Motorfahrzeugen: fünf. Ein Paradies für Velofahrer! Wir fahren durch immer wechselnde Berglandschaften mit grossartigem Panorama: mal tiefe Schluchten, mal unendliche Weite bis zum Meer am Horizont. In der Abfahrt werden auch die hinteren Regionen des Feldes munter bis übermütig, Kopf auf die Lenkstange und reinliegen in die langen Kehren, links oder rechts spielt kaum eine Rolle, wir sind unter uns.Mit viel Glück geht alles gut... Dann dies: blauer Himmel, da prescht plötzlich eine Front hinter dem Bergkamm hervor, in Minutenschnelle ist es schwarz. Ansatzlos löst sich die Sintflut aus der Wolke und packt alles mit einem dichten Wasserfilm ein. Unterstehen ist nutzlos, wo auch? Kurz nur ist es lästig, dann lässig: 30 Grad warmes Wasser sorgt für das fahrende Bad, ein neues Gefühl! Nach wenigen Kilometern ist der Spuk vorüber, der blaue Himmel kehrt zurück und nach weiteren zehn Kilometern sind die Kleider bereits wieder trocken und es gibt Mittagessen unter Palmen am Strand!

Ein Dorf am Wegrand. Ein paar Häuser, ein Café, ein Laden. Da drin hat es eine Theke und Regale. Nur: alles ist leer, der Laden, die Gestelle. Ein paar Säcke stehen am Boden. Eine Frau huscht herein, legt ihr libretto auf den Tisch, das Bezugsbüchlein für die Rationen, welche der Staat Kuba seinen Bürgern zugesteht. Die Frau bekommt heute Stempel für eine Handvoll Reis, Bohnen, ein Stück rechteckiges Brot und eine mit dem Käsemesser halbierte Seife. Die triste Szenerie wird allerdings von lachenden Gesichtern begleitet. Die Frau strahlt Zufriedenheit und Freude aus. Und bei uns? Samstag im Supermarkt: pralle Gestelle, überquellende Einkaufswagen und Mienen, welche den ganzen Tag über Viertel nach Acht anzeigen.

Im Sattel bei 30 Grad Celsius: kein Problem, die Strecke folgt dem Rückenwind, von Ost nach West. Da lässt sich gut und gerne mit 35 bis 40 Kilometern in der Stunde cruisen. In der Steigung allerdings, wenn kein Fahrtwind mehr dem Gesicht zufächelt, dann herrscht Glutofenhitze. Die Strasse flimmert, der Atem geht schwer, das Wasser läuft in Bächen über den ganzen Körper. Gleichauf treten zwei Campesinos auf ihren einfachen Velos die Steigung hoch. Nicht zur Freude, sondern weil Velofahren noch viel besser ist als zu Fuss gehen. Sie lachen, sie freuen sich, dass wir so unterwegs sind wie sie, dass wir auch schwitzen und krampfen. Ich denke, nur so gelingt es, den Kubaner halbwegs zu spüren, seine Not, die er mit grösster Würde trägt. Nie haben wir Menschen in zerrissenen oder schmutzigen Kleidern gesehen. Die Armut wird nicht an ihnen sichtbar, nicht an den Kleidern und nicht an den stolzen, meist freundlichen Gesichtern.

Der Bus nimmt immer die Hauptstrasse, gelegentlich sogar die Autobahn. Die wäre jedoch auch zum Radfahren geeignet, Beispiel, autopista bei Guantanamo, eine richtungsgetrennte vierspurige Autobahn, welche der frühere Diktator Batista im Zweiten Weltkrieg erbauen liess, um sein Vorbild Mussolini zu imitieren. Wir fahren gut fünf Minuten bis zum ersten Gegenverkehr: zwei Velos mit riesigen Holzbeigen auf dem Gepäckträger fahren vorbei. Nach weiteren sieben Kilometern ist es ein gut fünfzigjähriger Traktor der durchhoppelt und kurz vor Ende des Abschnitts dieselt ein Laster durch, welcher mindestens 50 Leute auf der Brücke mitführt, Autobahnfahren in Kuba!

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Entspannen am Pool, den kühlen Drink in der Hand, Salsa aus allen Rohren, die würzige Partagas im Mund, eine Szene, welche man sich nicht nur gerne gefallen lässt, sondern die auch gleich alle Clichés über Kuba in sich vereinigt. Sie steht vor allem dem Touristen offen. Kuba hat eigentliche Touristenghettos mit westlichem Niveau geschaffen, wo es an nichts mangelt, ausser an Einheimischen. Zutritt zu solchen Zonen wie Varadero, östlich von Havanna, haben nur Ausländer und Kubaner, die da arbeiten. Dennoch stellt der Schweizer Botschafter Pierre Friederich fest: die touristische Infrastruktur des Landes hinkt generell noch gut zwanzig Jahre hinten nach. Auch fehlt den Kubanern jegliches marktwirtschaftliche Gefühl, was nach 40 Jahren kommunistischem Regime kaum verwunderlich ist. Dass für die stolzen Preise auch eine entsprechende Leistung geboten werden muss, verstehen sie kaum. Kuba hat Landschaften, die sich nach jeder Kurve in anderem Licht, in neuem Glanz präsentieren. Das wundervolle Valle de los Ingenios, zum Beispiel, zwischen Sancti Spiritus und Trinidad, einem absoluten must für alle Kuba - Besucher. Zuckerrohr allüberall. Kubas Exportgut Nummer eins, das kaum mehr etwas einbringt, weil der Preis auf dem Weltmarkt zerfallen ist und die Qualität nicht mehr genügt. Dem Auge tut die Monokultur jedoch nach wie vor gut: das liebliche Grün der schlacksigen Pflanze erfreut auf jedem Kilometer.

Dann wähnt man sich in Texas: weite Weiden bis zum Horizont. Die Rinder grasen, aber nicht für den Bauer, sondern für den Staat. Beim Verkauf erhält der Züchter und Mäster einen ganzen Dollar pro Tier, wer sein Vieh heimlich schlachtet und dabei erwischt wird, der wandert für vier Jahre ins Gefängnis. Nur das Schwein und das Huhn ist zur privaten Zucht erlaubt. So hört man es denn auch auch praktisch aus allen Wohnungen gackern und grunzen!

Havanna naht, die Hauptstadt. Drei Millionen Einwohner und vergleichsweise viel Verkehr. Doch Havanna ist die Velostadt schlechthin: praktisch durchwegs gibt es einen Velostreifen, die stärkeren Verkehrsteilnehmer begegnen den Radfahrern im allgemeinen tolerant und grosszügig. Der kulturelle, speziell auch der architektonische Reichtum der Stadt machen die Rundfahrt auf dem Velo zum Genuss. Es trägt einen in Quartiere, welche kein Bus besucht, und die man zu Fuss wegen zu langer Distanzen meidet. Doch gerade dieses städtische Hinterland sagt oft mehr aus als die touristischen Highlights. Da prallen die Gegensätze besonders hart aufeinander: da die Habanos, wie sie vor ihren zerfallenden Häusern sitzen, dankbar für die kleinste Seife, ein Stück Schokolade oder sonst ein Zeichen der Freundlichkeit, dort die übervollen Fünfsterne - Buffets im Hotel Nacional, dem ersten Haus am Platz.



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Kuba - Kommunismus unter Palmen, ein Ballenberg der Politik und der Planwirtschaft, ein Spitzelstaat, der in seiner bedrohlichen Isolation dem Dollar die Tür öffnen musste. Kuba ist nicht nur eine Destination für verklärte Alt - Achtundsechziger. Es sind die Gegensätze, die einen auf Schritt und Tritt verfolgen und faszinieren: Ein fröhliches Volk trotz Unterdrückung, arm an Hab und Gut, reich an Musik und Kultur, ein Land, das trotz gutem Klima und fruchtbaren Böden nicht für sich sorgen kann. Kuba hat reiche Schätze, doch es schlägt kein Kapital daraus. Que la eficiencia sea la regla y no la excepcion, die Umsetzung dieses Wunsches wird Fidel Castro wohl nicht mehr erleben.


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